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Zwar bleiben Direktbuchungen der wichtigste Vertriebskanal, doch Buchungsplattformen behaupten ihre starke Position im digitalen Vertrieb. Sie steuern Preise indirekt – oft ohne Wissen der Hotels. Für die Betriebe bedeutet das wachsenden Druck und einen zunehmenden Verlust an Kontrolle über Preise und Vertrieb.
Die Studie zeigt: Direktbuchungen bleiben mit 58,5 Prozent der wichtigste Vertriebskanal der Schweizer Beherbergungsbetriebe. Insbesondere Echtzeitbuchungen über die hoteleigenen Websites gewinnen an Bedeutung. Ihr Anteil ist seit 2015 von rund 7,5 Prozent auf 20,9 Prozent gestiegen. «Diese Entwicklung zeigt, dass unsere Betriebe ihre digitalen Direktbuchungskanäle stärken, etwa mit benutzerfreundlicheren Websites, einfacheren Buchungsmöglichkeiten und einer direkteren Kommunikation mit den Gästen», sagt Christian Hürlimann, Direktor von HotellerieSuisse.
Gleichzeitig spielen Online-Buchungsplattformen im digitalen Markt weiterhin eine grosse Rolle: Rund ein Drittel der Buchungen erfolgt darüber. Für viele Betriebe sind OTA damit nach wie vor die wichtigsten Vertriebspartner im digitalen Bereich, verbunden mit zunehmenden Herausforderungen bei der Preisgestaltung.
Plattformmacht bleibt trotz Regulierungen bestehen
Trotz des Verbots von Preisparitätsklauseln zeigt die Studie, dass Plattformen weiterhin Einfluss auf die Preisgestaltung der Betriebe nehmen. Dies geschieht zunehmend indirekt, etwa über Sichtbarkeit, Rankingmechanismen oder Promotionsprogramme. Rund 29 Prozent der Hotels berichten von konkreten Einflussnahmen auf ihre Direktpreise. Damit entsteht ein Spannungsfeld zwischen Reichweite und Preishoheit.
Zugleich zeigt die Studie, dass viele Betriebe bei den vertraglichen Regeln unsicher sind: 46 Prozent wissen nicht, ob in ihren OTA-Verträgen noch Preisparitätsklauseln enthalten sind. Das deutet darauf hin, dass die Einflussnahme heute weniger über formale Klauseln erfolgt, sondern stärker über Plattformmechanismen, Empfehlungen und kommerzielle Anreize.
Hotelpreise werden zunehmend unterboten
Parallel dazu berichten rund die Hälfte der Hotels, dass ihre Preise auf Online-Buchungsplattformen unterboten wurden (Undercutting). 2024 waren noch 40 Prozent betroffen. Besonders relevant ist, dass 83 Prozent der betroffenen Betriebe solchen Preisunterbietungen nicht zugestimmt haben.
«Preisunterbietungen können dazu führen, dass Betriebe ihre Preise im Direktvertrieb zusätzlich senken müssen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Damit entsteht eine Negativspirale nach unten», sagt Christian Hürlimann.
Zimmerverkauf über Drittanbieter verstärkt Kontrollverlust im Vertrieb
Eine weiteres, neueres Phänomen ist der Weiterverkauf von Hotelzimmern über Drittanbieter durch Plattformen, das sogenannte Multi-Soucing. Über die Hälfte der befragten Betriebe gibt an, davon betroffen zu sein. 2023 waren es noch 42 Prozent. Dies führt zu mangelnder Preistransparenz, falschen Angebotsdarstellungen und zusätzlichem Aufwand im Betrieb. Gleichzeitig erschwert es die direkte Kommunikation mit Gästen und reduziert die Kontrolle über die eigene Vertriebsstrategie.
Wenige Plattformen dominieren den Markt
Der OTA-Markt bleibt stark konzentriert: Booking.com dominiert mit über 70 Prozent der Online- Buchungen in Echtzeit, gefolgt von Expedia mit rund 15 Prozent. Diese Konzentration erschwert es Betrieben, ihre Konditionen durchzusetzen oder auf alternative Kanäle auszuweichen. Die Studie zeigt, dass die grössten Problemfelder im Umgang mit Buchungsplattformen weiterhin bestehen. Vor diesem Hintergrund gewinnt auch die Sammelklage gegen Booking.com auf europäischer Ebene zusätzlich an Bedeutung.
HotellerieSuisse stärkt die selbstbestimmte Preispolitik der Betriebe
HotellerieSuisse nutzt die Resultate der Studie, um Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und gezielte Massnahmen abzuleiten. Dazu zählen Beratungsangebote über das Partnernetzwerk von HotellerieSuisses sowie über die politische Abteilung, Webinare sowie rechtliche Unterstützung über die Rechtsberatung des Verbandes. Aktuell unterstützt der Verband Mitglieder auch bei einer europaweiten Sammelklage gegen Booking.com. Ziel ist es, die unternehmerische Freiheit der Betriebe zu stärken und ihnen mehr Kontrolle über Preise und Vertrieb zu ermöglichen.
Die Studie wurde 2025 zum 20. Mal durchgeführt und basiert auf einer Online-Umfrage unter 171 Schweizer Hotelbetrieben.
Bildnachweis: © Hotellerie Suisse
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