Hotellerie in Südamerika setzt stärker auf nachhaltige Konzepte - Wissen, was im Tourismus los ist!



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Hotellerie in Südamerika setzt stärker auf nachhaltige Konzepte
Hotels in Argentinien, Uruguay, Chile und Paraguay verbinden Energieeffizienz, Abfallmanagement und soziale Projekte mit messbaren wirtschaftlichen Effekten
Hotellerie in Südamerika setzt stärker auf nachhaltige Konzepte

Nachhaltigkeit entwickelt sich in der südamerikanischen Hotellerie zunehmend von einem Marketingthema zu einem Bestandteil der Betriebsführung. Energie- und Wasserverbrauch, Abfallvermeidung, lokale Lieferketten und die Zusammenarbeit mit den Gemeinden rücken dabei ebenso in den Mittelpunkt wie die Erwartungen der Gäste.

Nach einem globalen Bericht von Booking.com geben 85 Prozent der Reisenden an, nachhaltiger reisen zu wollen. Gleichzeitig verfügen inzwischen mehr als 200 Unterkünfte unter anderem in Argentinien, Uruguay und Paraguay über die Zertifizierung „Hoteles más Verdes“. Beispiele aus vier südamerikanischen Ländern zeigen, wie unterschiedlich Hotels diese Anforderungen in der Praxis umsetzen.

Nachhaltigkeit beginnt in der Gemeinde

Für Daniela Finocchiaro, Nachhaltigkeitsmanagerin der Asociación de Hoteles de Turismo de la República Argentina und Mitorganisatorin der Hotelga 2026, reicht es nicht aus, ausschließlich den Ressourcenverbrauch eines Hotels zu betrachten.

„Ein Hotel beschäftigt Menschen aus der Gemeinde, kauft Lebensmittel und Dienstleistungen, empfängt Lieferanten, interagiert mit Institutionen und Organisationen und ist in vielen Destinationen einer der wichtigsten Wirtschaftsakteure“, erklärt Finocchiaro. Nachhaltigkeit bedeute deshalb auch, danach zu fragen, welche Wirkungen ein Betrieb erzeuge und welche Beziehungen er zu seiner Umgebung aufbaue.

Dieser Ansatz spielt auch beim Wettbewerb für nachhaltige Hotellerie eine Rolle, dessen Finale im Rahmen der Hotelga 2026 stattfindet.

Hilton Buenos Aires reduziert Restmüll um 60 Prozent

Für Argentinien steht das Hilton Buenos Aires im Finale. Gemeinsam mit der Fundación Cultura del Trabajo bildete das Hotel mehr als 60 Frauen in Sanitär- und Elektroarbeiten aus und unterstützte damit ihren Einstieg in Berufsfelder, die traditionell überwiegend von Männern ausgeübt werden.

Parallel arbeitet das Haus mit Genossenschaften an Kreislaufwirtschaft und Mülltrennung. Dadurch konnte die Menge der Abfälle, die zur endgültigen Entsorgung gelangen, nach Angaben der Initiatoren um 60 Prozent reduziert werden.

Solarenergie und soziale Projekte in Uruguay

Der uruguayische Finalist Aguasol Hotel Termal erzeugt mit 180 Solarmodulen eigene Energie. Das Thermalwasser wird ohne zusätzliche Chemikalien genutzt, anschließend zur Bewässerung eingesetzt und vor der Rückleitung in den Fluss abgekühlt. Hinzu kommen Recycling, Kompostierung und die Pflanzung einheimischer Bäume.

Auch soziale Aspekte gehören zum Konzept. Gemeinsam mit der Organisation Aldeas Infantiles SOS entstehen unter anderem Informationsvideos zu Nachhaltigkeitsthemen. Eine Vereinbarung soll jungen Menschen aus den Einrichtungen nach Erreichen des 18. Lebensjahres zudem erste Berufserfahrungen in der Hotellerie ermöglichen.

Firmenkunden verlangen Nachhaltigkeitsnachweise

Wie stark Nachhaltigkeit inzwischen auch Geschäftsentscheidungen beeinflusst, zeigt der chilenische Finalist Mandarin Oriental Santiago. Nach Angaben des Hotels verlangen 80 Prozent der dort betreuten Firmenveranstaltungen vor der Auswahl des Veranstaltungsortes Nachhaltigkeitszertifikate und Berichte zum CO₂-Fußabdruck.

Zur Erfassung seiner Umweltdaten nutzt das Hotel die Plattform Greenview. Innerhalb der vergangenen sieben Monate sei der CO₂-Fußabdruck gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um 26 Prozent gesunken, der Wasserverbrauch um 20,4 Prozent.

Nach eigenen Angaben stammt zudem die gesamte verwendete Energie aus nicht konventionellen erneuerbaren Quellen. Einwegkunststoffe wurden abgeschafft. Daneben unterstützt das Haus lokale Produzenten und Handwerker und verbindet seine Nachhaltigkeitsstrategie mit Kulturvermittlung, Recycling und Schulungen.

„Die Herausforderung für die Hotellerie besteht gerade darin, beide Dimensionen miteinander zu verbinden: Das, was der Gast sieht und genießt, sollte Ausdruck eines nachhaltigen Managements sein“, sagt Finocchiaro.

Paraguay setzt auf KI und Gebäudeautomation

Beim Divina Tower Hotel in Paraguay stehen Digitalisierung und Verbrauchskontrolle im Vordergrund. Gebäudeautomation und künstliche Intelligenz ermöglichen es unter anderem, Klimaanlagen und Beleuchtung nach dem Check-out aus der Ferne abzuschalten.

Messgeräte an der zentralen Stromversorgung erfassen zudem den tatsächlichen Verbrauch in Kilowattstunden und ermöglichen einen Abgleich mit den Abrechnungen des Energieversorgers.

Finocchiaro sieht darin ein Beispiel dafür, wie Technologie Umwelt- und Wirtschaftsdaten miteinander verbinden kann. „Wenn ein Hotel in Echtzeit oder häufiger erkennen kann, wie viel es verbraucht, Abweichungen feststellen und Zeiträume vergleichen kann, ist die Diskussion nicht mehr nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich.“

Zertifizierungen sollen aus Einzelmaßnahmen ein System machen

Zertifizierungen wie „Hoteles más Verdes“ sollen Hotels dabei unterstützen, Nachhaltigkeit dauerhaft in den Betriebsablauf zu integrieren. Dazu gehören festgelegte Zuständigkeiten, dokumentierte Prozesse, messbare Kennzahlen sowie konkrete Ziele für Verbrauch und Umweltauswirkungen.

Einzelne umweltfreundliche Maßnahmen allein ergeben nach diesem Verständnis noch keine Nachhaltigkeitsstrategie. Entscheidend ist vielmehr, ökologische und soziale Ziele mit dem täglichen Hotelbetrieb und dessen wirtschaftlicher Steuerung zu verbinden.

Bildnachweis: © KI-generierte Illustration


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