Tourexpi
Der
europäische Hotelvertrieb bleibt mehrheitlich ein Direktgeschäft zwischen Hotel
und Gast. Gleichzeitig wächst jedoch die Bedeutung digitaler Vermittler, und
innerhalb des OTA-Marktes konzentriert sich ein immer größerer Anteil der
Buchungen auf wenige Anbieter. Das zeigt die European Hotel Distribution Study
2026 von HOTREC. Für die Untersuchung wertete Prof. Roland Schegg von der
HES-SO Valais-Wallis gemeinsam mit den nationalen Hotelverbänden Angaben von
2.713 Hotels zum Referenzjahr 2025 aus.
Europaweit
wurden 2025 noch 51,3 Prozent der Hotelübernachtungen direkt gebucht.
Online-Intermediäre wie OTA, GDS und Social Media erreichten zusammen 32,3
Prozent, auf OTA allein entfielen 29,9 Prozent. In Deutschland ist der
Direktvertrieb mit 59,7 Prozent stärker ausgeprägt, gleichzeitig liegt der
OTA-Anteil mit 31,9 Prozent über dem europäischen Durchschnitt.
Direktvertrieb
verliert langfristig Marktanteile
Die
Entwicklung seit 2013 zeigt eine deutliche Verschiebung der Vertriebswege.
Europaweit sank der Direktanteil innerhalb von zwölf Jahren von 57,6 auf 51,3
Prozent. Der Anteil der Online-Intermediäre stieg im gleichen Zeitraum von 22,2
auf 32,3 Prozent.
In
Deutschland fiel der Direktvertriebsanteil von 67,3 auf 59,7 Prozent.
Gleichzeitig erhöhte sich der OTA-Anteil von 20,6 auf 31,9 Prozent und damit um
11,3 Prozentpunkte.
Parallel
dazu verändert sich die Struktur des Direktgeschäfts. Der Anteil der
Echtzeitbuchungen über die eigenen Hotelwebsites hat sich in Deutschland von
6,1 Prozent im Jahr 2013 auf 13,9 Prozent mehr als verdoppelt. Telefonbuchungen
gingen dagegen von 27,7 auf 18,1 Prozent zurück.
Eine
Besonderheit des deutschen Marktes ist die geringe Bedeutung klassischer
Offline-Intermediäre wie Reiseveranstalter, Reisebüros und Wholesaler. Ihr
Anteil beträgt lediglich 5,4 Prozent, während der europäische Durchschnitt bei
14,0 Prozent liegt.
Booking
und Expedia vereinen 85 Prozent der OTA-Buchungen
Noch
deutlicher als zwischen den einzelnen Vertriebskanälen zeigt sich die
Konzentration innerhalb des OTA-Geschäfts. Auf Booking Holdings entfallen
europaweit 68,8 Prozent aller OTA-Buchungen, davon 66,1 Prozent auf
Booking.com. Die Expedia Group erreicht 16,6 Prozent. Zusammen kommen die
beiden Konzerne damit auf 85,4 Prozent.
2013
hatte Booking Holdings einen europäischen OTA-Marktanteil von 60,0 Prozent.
Gleichzeitig verlor die HRS-Gruppe deutlich an Bedeutung. Ihr Anteil sank
europaweit von 16,6 Prozent im Jahr 2013 auf derzeit 3,5 Prozent.
In
Deutschland ist Booking Holdings mit 70,5 Prozent noch stärker vertreten.
Booking.com allein erreicht 69,2 Prozent. Die Expedia Group kommt auf 11,1
Prozent und die HRS-Gruppe auf 9,9 Prozent.
„Hotels
brauchen digitale Plattformen, aber sie brauchen auch echte Wahlfreiheit.
Wachsende Konzentration darf nicht in wachsende Abhängigkeit umschlagen“, sagt
HOTREC-Präsident Alexandros Vassilikos. Europas überwiegend kleine und mittlere
Hotels benötigten einen wettbewerblichen und transparenten Markt, in dem sie
selbst über den Zugang zu ihren Gästen entscheiden könnten.
Preisunterbietungen
werden häufiger
Neben
den Marktanteilen untersucht die Studie auch das Verhältnis zwischen Hotels und
Vermittlungsplattformen. 51 Prozent der befragten Hotels berichten, dass OTA
ihre Preise häufig oder gelegentlich unterbieten. 2023 waren es 43 Prozent.
Unter den betroffenen Hotels geben laut HOTREC vier von fünf an, dieser
niedrigeren Preisstellung nicht zugestimmt zu haben.
Die
Höhe der Preisunterschiede hat sich dagegen kaum verändert. Rund 58 Prozent der
betroffenen Betriebe nennen Abschläge zwischen sechs und zehn Prozent.
Auch
das sogenannte Multi-Sourcing bleibt verbreitet. 44 Prozent der Hotels
berichten, dass ihre Raten und Verfügbarkeiten über weitere Plattformen und
Intermediäre weiterverteilt werden. Der Anteil ist gegenüber 2023 unverändert.
Häufige negative Erfahrungen melden inzwischen jedoch 17 Prozent der Häuser,
nach 11 Prozent zwei Jahre zuvor. Genannt werden unter anderem
Preisabweichungen, fehlerhafte Zimmerbeschreibungen, Abrechnungsprobleme und
Überbuchungen.
Plattformen
übernehmen zunehmend Zahlungsprozesse
Auch
bei der Zahlungsabwicklung wächst die Rolle der Vermittler. 65 Prozent der
Hotels nutzen das Payment-System von Booking Holdings, 43 Prozent Expedia
Collect.
Deutliche
Unterschiede bestehen zudem bei den Stornierungen. Im Direktvertrieb liegt die
Stornoquote laut Studie bei 9,1 Prozent, bei Buchungen über Booking.com bei
19,0 Prozent.
HOTREC-Generaldirektorin
Marie Audren sieht darin eine Frage der Kontrolle über die Kundenbeziehung.
„Wenn mehr als vier von fünf OTA-Buchungen in nur zwei globalen Konzernen
gebündelt sind, ist die wirksame Durchsetzung des Digital Markets Act entscheidend
für den Wettbewerb, für die Auswahl der Verbraucher und für die europäischen
KMU.“
Tobias
Warnecke, Geschäftsführer des Hotelverbands Deutschland (IHA), verweist in
diesem Zusammenhang auf das Urteil des Gerichts der Europäischen Union vom 9.
September 2026 zur untersagten Übernahme von eTraveli durch Booking Holdings.
Die HOTREC-Zahlen seien für ihn die „betriebswirtschaftliche Entsprechung“ zur
Einschätzung der Europäischen Kommission zur Stellung von Booking auf dem
europäischen Markt für die Online-Vermittlung von Hotelzimmern.
Zwei
Drittel der Hotels arbeiten mit Channelmanagern
Die
Digitalisierung des Hotelvertriebs schreitet unterdessen weiter voran. 66
Prozent der europäischen Hotels steuern ihre Vertriebskanäle über einen
Channelmanager, 32 Prozent nutzen eine Schnittstelle zu einem Property
Management System oder Central Reservation System. 23 Prozent pflegen zumindest
einen Teil ihrer Kanäle weiterhin manuell.
58
Prozent der Betriebe sind direkt an eine Metasuche angebunden. Von diesen
nutzen 83 Prozent Google Hotel Ads. Künstliche Intelligenz spielte im
Referenzjahr 2025 dagegen noch eine vergleichsweise geringe Rolle. 26 Prozent
der Hotels setzten KI bereits ein, weitere 15 Prozent planten eine Nutzung.
Daten
von 2.713 Hotels aus 28 Ländern
Die
European Hotel Distribution Study wird seit 2013 alle zwei Jahre erhoben. Die
siebte Ausgabe basiert auf 1.882 Einzelhotelmeldungen aus 28 europäischen
Ländern sowie aggregierten Daten von 831 Kettenhotels.
74
Prozent der untersuchten Betriebe sind unabhängig, die mediane Hotelgröße liegt
bei 39 Zimmern. Die ausgewiesenen Marktanteile der Vertriebskanäle beruhen auf
den gewichteten Einzelhotelmeldungen ohne aggregierte Kettendaten. Für die
Gewichtung wurden die Eurostat-Übernachtungszahlen 2024 herangezogen.
Bildnachweis:
© KI-generierte Illustration
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