Tourexpi
27 Jahre lang hat sich Uwe Harter für die Interessen von Pilotinnen und Piloten engagiert – in der Vereinigung Cockpit, bei der IFALPA und auch in Gremien der ICAO. Nun zieht sich der Lufthansa-Kapitän Schritt für Schritt aus der internationalen Gewerkschafts- und Verbandsarbeit zurück. Was bleibt, ist eine außergewöhnliche Geschichte über Haltung, Menschlichkeit und den festen Glauben daran, dass man Dinge verändern kann.
„Ich werde niemals aufhören, mich für Flugsicherheit einzusetzen“, sagte Harter in seiner Abschiedsrede auf der IFALPA-Konferenz in Istanbul. Und tatsächlich zieht sich dieser Satz wie ein roter Faden durch sein gesamtes Berufsleben.
Vom Flugschüler zum internationalen Flugsicherheitsexperten
Begonnen hat alles Anfang der 1990er-Jahre. Nach einem Studium des Flugzeugbaus startete Uwe Harter 1991 seine fliegerische Ausbildung. Eigentlich sollte ihn sein Weg zur Condor führen. Doch die erste Golfkrise durchkreuzte diese Pläne – stattdessen begann er seine Karriere bei der Lufthansa CityLine auf der Fokker 50. 1996 wechselte er schließlich zur Lufthansa. Heute fliegt der 60-Jährige den Airbus A380 und den A350.
Zur VC kam Harter eher zufällig – ausgelöst durch ein Gespräch im Cockpit mit dem damaligen VC-Vorstandsmitglied Carsten Reuter. Es ging um Ausbildungsstandards, Human Factors und die Frage, wie man Training menschlicher und wirksamer gestalten kann. „Da habe ich gemerkt: Das sind Themen, die mich wirklich bewegen“, erinnert sich Harter.
Aus der anfänglichen Mitarbeit in der Arbeitsgruppe Qualification and Training wurde schnell weit mehr. Harter leitete die Arbeitsgruppe der VC, sowie das Human Performance Komitee der IFALPA, wechselte anschließend in den Vorstand der VC und verantwortete dort zunächst das Referat Berufspolitik, das später in „Flight Safety“ umbenannt wurde. Internationale Verantwortung übernahm er bei IFALPA und ICAO – unter anderem bei Themen wie Human Performance, dem MPL-Ausbildungskonzept, Evidence-based Training und internationalen Sicherheitsstandards.
„Wir können Dinge verändern“
Was ihn über all die Jahre motivierte? Für Harter ist die Antwort klar: „Wir können Dinge verändern.“ Nicht sofort, nicht spektakulär, aber nachhaltig – wenn man dranbleibt, Netzwerke aufbaut und Vertrauen schafft.
Besonders geprägt haben ihn dabei die internationalen Kontakte. Aus vielen Begegnungen wurden Freundschaften über Kontinente hinweg. Höhepunkte seiner Arbeit waren unter anderem die Mitgestaltung internationaler Ausbildungsstandards bei der ICAO sowie die IFALPA-Konferenz 2019 in Berlin, die unter dem Motto „Building Bridges“ stand.
Dabei ging es Harter nie nur um Technik oder Verfahren. Im Mittelpunkt stand für ihn immer der Mensch. Gute Ausbildung, sagt er, müsse Menschen stärken – nicht einschüchtern. Ein guter Trainer hole mehr aus Pilotinnen und Piloten heraus als jemand, der ausschließlich auf Fehler fokussiert sei. Dieses Verständnis prägte auch sein Engagement für Peer Support und Human Factors.
Flugsicherheit ist kein „Hobby“
Umso schwerer traf ihn zuletzt die Entscheidung der Lufthansa, die Freistellungsvereinbarungen mit der VC für Gewerkschafts- und Verbandsarbeit zu kündigen. Für Harter ist klar: Ohne diese Freistellungen wäre die intensive internationale Flugsicherheitsarbeit der VC nie möglich gewesen. In seiner Abschiedsrede in Istanbul formulierte er es ähnlich deutlich – mit einem Seitenhieb auf das Management:
Der CEO seines Unternehmens halte Flugsicherheitsarbeit offenbar für ein „Hobby Horse“, ein Steckenpferd ohne finanziellen Nutzen. „Wir alle hier wissen es besser“, sagte Harter vor den internationalen Kolleginnen und Kollegen.
Auch deshalb klingt seine Rede nicht nur nach Abschied, sondern auch nach Mahnung. Gegen Ignoranz. Gegen kurzfristiges Denken. Und für eine Luftfahrt, die Sicherheit nicht als Kostenfaktor versteht.
„Der Stolz, einer von euch zu sein“
Ganz verabschiedet sich Uwe Harter allerdings noch nicht. Noch begleitet er die Übergabe seines ICAO-Mandats an die nächste Generation. Genau das war ihm immer wichtig: Wissen weiterzugeben und jungen Kolleginnen und Kollegen Raum zu geben, Verantwortung zu übernehmen.
Und privat? Da warten jetzt Dinge, die in den vergangenen Jahrzehnten oft zu kurz gekommen sind. Mehr Zeit für seine Familie. Mehr Zeit für Freundschaften. Und mehr Zeit für sein Saxophon. „Mein Spiel ist ein bisschen eingerostet“, sagte er mit einem Lächeln in Istanbul. Vor allem aber bleibt ihm etwas, das ihm niemand nehmen kann – wie er selbst sagte: „Der Stolz, einer von euch zu sein. Teil dieser Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern, die ihr Leben der sicheren Fliegerei widmen.“
Ein Satz, der wohl besser als jeder andere beschreibt, wofür Uwe Harter in all den Jahren stand.
Bildnachweis: © privat
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