Tourexpi
Der
Luftverkehr in Deutschland ist in den ersten sechs Monaten des Jahres 2026
erneut geschrumpft. Nach Angaben des Bundesverbandes der Deutschen
Luftverkehrswirtschaft wurden an den deutschen Flughäfen 97,7 Millionen
Passagiere registriert. Damit lag das Aufkommen knapp ein Prozent unter dem
Niveau des ersten Halbjahres 2025.
Der
internationale Airline-Verband BARIG sieht darin ein weiteres Zeichen für die
anhaltenden Schwierigkeiten des deutschen Luftverkehrsmarktes. Neben der
Nahostkrise und Arbeitskampfmaßnahmen macht der Verband insbesondere die hohen
Standortkosten verantwortlich. Zugleich verweist BARIG darauf, dass Deutschland
bei der Erholung des Luftverkehrs seit der Corona-Pandemie weiterhin hinter der
Entwicklung in anderen europäischen Märkten zurückbleibt.
BARIG
sieht Deutschland weiter im Rückstand
„Die
negative Halbjahresbilanz bestätigt unsere Befürchtungen, die wir immer wieder
deutlich gemacht haben: Die Misere des Luftverkehrs am Standort Deutschland
setzt sich fort, da die Politik nur unzureichend handelt“, erklärt BARIG
Chairman und Executive Director Michael Hoppe.
Während
der Luftverkehr in zahlreichen anderen europäischen Ländern deutlich wachse,
bleibe die Entwicklung in Deutschland schwach. Die rückläufigen Passagierzahlen
zwischen Januar und Juni 2026 seien nach Ansicht des Verbandes ein deutlicher
Beleg dafür.
„Während
das Fliegen in vielen Ländern Europas und darüber hinaus boomt, bleibt
Deutschland weiter in der Krise stecken. Die rückläufigen Passagierzahlen der
Monate Januar bis Juni 2026 belegen das eindeutig“, so Hoppe.
Hohe
Kosten beeinflussen Kapazitätsentscheidungen
Als
zentrale Ursache nennt BARIG die staatlich verursachten Standortkosten. Nach
Auffassung des Verbandes führen die finanziellen Belastungen dazu, dass
Fluggesellschaften Kapazitäten verstärkt auf andere europäische Märkte
verlagern beziehungsweise zusätzliche Angebote dort aufbauen.
Die
Folgen reichen laut BARIG über den Passagierverkehr hinaus. Weniger
Flugverbindungen beeinträchtigten die internationale Erreichbarkeit
Deutschlands und erschwerten zugleich den Warenverkehr. Fracht müsse teilweise
über Flughäfen im Ausland abgewickelt und anschließend auf der Straße nach
Deutschland transportiert werden.
„Die
bittere Konsequenz: Die mangelnde Konnektivität und die verringerten
Kapazitäten belasten die Mobilität sowie den Warenfluss und die Industrie
insgesamt. Die Ticketpreise steigen, Güter müssen zunehmend über ausländische
Flughäfen und mit Lkws nach Deutschland transportiert werden“, erklärt Hoppe.
Verband
fordert Abschaffung der Luftverkehrsteuer
BARIG
fordert von der Bundesregierung eine deutliche Senkung der Standortkosten. Eine
zentrale Rolle spielt aus Sicht des Verbandes dabei die Luftverkehrsteuer.
Die
im Sommer vorgenommene Reduzierung bewertet BARIG zwar grundsätzlich positiv,
hält deren Umfang jedoch für nicht ausreichend. Der Verband spricht sich
deshalb für eine vollständige Abschaffung der Steuer aus und fordert darüber
hinaus weitere finanzielle Entlastungen für den Luftverkehrsstandort.
„Die
zum Sommer vorgenommene minimale Reduzierung ist ein Schritt in die richtige
Richtung, aber insgesamt kaum spürbar. Die Abschaffung dieser Steuer hingegen
würde die dringend benötigten Impulse setzen“, sagt Hoppe.
Nach
Einschätzung des Verbandes ist eine bessere internationale
Luftverkehrsanbindung nicht allein für Fluggesellschaften und Flughäfen von
Bedeutung. Sie beeinflusse ebenso die Mobilität, industrielle Lieferketten und
die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland. BARIG fordert
die Bundesregierung deshalb auf, weitere Entlastungsmaßnahmen kurzfristig
umzusetzen.
Bildnachweis:
© BARIG
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