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Stuttgart führt Deutschlands Trinkbrunnen-Ranking an
Eine Auswertung von 1.170 öffentlichen Trinkbrunnen in 70 Großstädten zeigt ein starkes Süd-Nord-Gefälle – Hamm landet mit nur einem Brunnen auf dem letzten Platz
Stuttgart führt Deutschlands Trinkbrunnen-Ranking an

Kostenloses Trinkwasser im öffentlichen Raum gewinnt angesichts längerer Hitzeperioden an Bedeutung. Doch zwischen Deutschlands Großstädten bestehen erhebliche Unterschiede. Eine Untersuchung des Gesundheits- und Wellnessreiseveranstalters Fit Reisen zeigt, dass Stuttgart mit großem Abstand die höchste Trinkbrunnendichte erreicht, während in einigen Städten nur ein einziger öffentlicher Trinkbrunnen zur Verfügung steht.

Für die Untersuchung wurden 1.170 frei und kostenlos zugängliche Trinkwasserbrunnen in 70 deutschen Großstädten erfasst. Grundlage waren Angaben von Städten, Stadtwerken und Wasserbetrieben sowie öffentlich zugängliche Geoportale und Pressemitteilungen. Um unterschiedlich große Städte vergleichen zu können, wurde die Zahl der Brunnen auf jeweils zehn Quadratkilometer Stadtfläche umgerechnet. Reine Zierbrunnen blieben unberücksichtigt.

Stuttgart liegt mit deutlichem Abstand vorn

Mit 117 öffentlichen Trinkbrunnen auf 207 Quadratkilometern erreicht Stuttgart 5,643 Brunnen je zehn Quadratkilometer. Damit liegt die baden-württembergische Landeshauptstadt mehr als sechsmal über dem Durchschnitt der 70 untersuchten Städte von 0,927.

Neben den 117 Trinkbrunnen gibt es in Stuttgart 13 Heil- und Mineralbrunnen sowie rund 300 weitere Brunnenanlagen und Wasserspiele ohne Trinkwasserqualität. Zu den historischen Anlagen gehört der Kanzleibogenbrunnen am Schlossplatz von 1787, der nach mehr als 20 trockenen Jahren 2025 saniert wurde und wieder geprüftes Trinkwasser liefert.

München folgt mit 114 Brunnen und einer Dichte von 3,669 auf Platz zwei. Bis zum Ende der Brunnensaison 2026 soll das Netz auf rund 115 ausgewiesene Wasserstellen anwachsen. Berlin verfügt mit 250 Anlagen zwar über die mit Abstand größte absolute Zahl, erreicht wegen seiner Fläche von 891 Quadratkilometern jedoch 2,805 Brunnen je zehn Quadratkilometer und damit Rang drei.

Freiburg und Karlsruhe bringen Baden-Württemberg nach vorn

Auf Rang vier folgt Freiburg mit 39 Brunnen und einer Dichte von 2,548. Die Stadt ist Mitglied der internationalen Initiative Blue Community und weist unter anderem historische Brunnen in der Altstadt gezielt als Trinkwasserquellen aus. Die berühmten Freiburger Bächle gehören dagegen nicht zur Trinkwasserversorgung.

Karlsruhe erreicht mit 36 Brunnen und 2,076 Anlagen je zehn Quadratkilometer Platz fünf. Zu den bekanntesten gehört der Großherzog-Ludwig-Brunnen auf dem Marktplatz, der bereits 1824 mit der Eröffnung der Residenzwasserleitung eingeweiht wurde und bis heute Trinkwasser liefert.

Damit stehen gleich drei Städte aus Baden-Württemberg unter den ersten fünf. Insgesamt erreichen Baden-Württemberg und Bayern gemeinsam eine Dichte von 1,996 Brunnen je zehn Quadratkilometer, während der Rest Deutschlands lediglich auf 0,703 kommt.

Bayerische Städte stark vertreten

Auch Fürth, Augsburg und Nürnberg schaffen es unter die ersten zehn. Fürth erreicht mit elf Brunnen eine Dichte von 1,736 und damit Rang sechs. Augsburg folgt mit 25 Anlagen und 1,702 auf Platz sieben. Die Stadt besitzt eine besonders lange Tradition der Wasserversorgung: Bereits 1545 wurde dort Trink- und Brauchwasser strikt getrennt. Das historische Augsburger Wassermanagementsystem gehört heute zum UNESCO-Welterbe.

Nürnberg belegt mit 30 Brunnen und 1,609 Anlagen je zehn Quadratkilometer Rang acht. Düsseldorf folgt mit 32 Brunnen und 1,472 auf Platz neun. Dort hat sich das Angebot seit 2020 vervierfacht: Damals gab es lediglich acht Standorte, langfristig sollen es 60 werden.

Leipzig komplettiert die Top Ten mit 36 Brunnen, davon vier mobilen Anlagen, und einer Dichte von 1,209. Bei der Auswahl neuer Standorte können die Einwohner mitentscheiden: Die Leipziger Wasserwerke lassen jährlich über zwei neue Plätze online abstimmen.

Hamm bildet das Schlusslicht

Am unteren Ende des Rankings zeigt sich eine völlig andere Versorgungssituation. Hamm verfügt auf einer Stadtfläche von 227 Quadratkilometern lediglich über einen öffentlichen Trinkbrunnen. Die Dichte ist damit 128-mal niedriger als in Stuttgart. Auch Wolfsburg, Hagen und Koblenz kommen jeweils nur auf einen Brunnen. Wiesbaden und Potsdam verfügen über jeweils zwei Anlagen, Münster über drei.

Insgesamt stellen Berlin, Stuttgart und München gemeinsam 481 der 1.170 erfassten Trinkwasserbrunnen. Nordrhein-Westfalen bleibt trotz seiner zahlreichen Großstädte mit einer Dichte von 0,501 deutlich hinter dem Bundesdurchschnitt zurück. Baden-Württemberg führt dagegen auch bei der Versorgung pro Einwohner die Länderwertung an.

Schweizer Städte setzen international den Maßstab

Der internationale Vergleich zeigt, dass selbst Deutschlands Spitzenreiter noch auf Städte mit einer wesentlich ausgeprägteren Trinkbrunnenkultur treffen. Nach einer auf OpenStreetMap-Daten basierenden Auswertung von QS Supplies erreicht Zürich 221 Trinkbrunnen je 100.000 Einwohner und führt damit das internationale Ranking an. Basel folgt mit 177, Genf kommt auf rund 86 Brunnen je 100.000 Einwohner und gehört ebenfalls zu den zehn bestplatzierten Städten weltweit.

Bildnachweis: © zigres_adobe.stock_k (3)


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