Tourexpi
Für
Reisende aus Nicht-EU-Staaten könnten die Grenzkontrollen an deutschen
Flughäfen ab dem 6. September deutlich mehr Zeit beanspruchen. An diesem Tag
läuft eine Übergangsregelung für das europäische Entry/Exit System (EES) aus,
die es bislang ermöglicht, die Erfassung biometrischer Daten in bestimmten
Ausnahmesituationen teilweise auszusetzen. Vertreter der Luftverkehrsbranche
warnen deshalb vor längeren Warteschlangen an stark frequentierten Flughäfen.
Das
EES wurde ab Oktober 2025 schrittweise eingeführt und ist seit dem 10. April
2026 vollständig in Betrieb. Es ersetzt bei Drittstaatsangehörigen, die für
einen Kurzaufenthalt in den Schengen-Raum reisen, den klassischen Passstempel
durch eine digitale Erfassung der Ein- und Ausreise. Dabei werden neben den
Daten des Reisepasses auch biometrische Merkmale registriert.
Ausnahmeregelung
läuft am 6. September aus
Um
bei außergewöhnlich hohem Passagieraufkommen überlange Warteschlangen zu
verhindern, konnten Grenzbehörden während der Übergangszeit Teile der
biometrischen Erfassung zeitweise aussetzen. Diese Möglichkeit soll nach
bisherigem Stand am 6. September enden.
Besonders
relevant ist das für Reisende, die erstmals nach Einführung des EES in den
Schengen-Raum einreisen. Bei ihnen müssen unter anderem ein Gesichtsbild und
Fingerabdrücke erfasst werden.
„Langfristig
werden sich diese Änderungen positiv auswirken. Sie werden die Grenzkontrollen
modernisieren und die Sicherheit erhöhen, könnten jedoch in den kommenden
Wochen Herausforderungen mit sich bringen. Das Ende dieser Flexibilität könnte
zu mehr Verzögerungen führen, insbesondere an deutschen Drehkreuzen wie
Frankfurt und München“, sagt Vykintas Maknickas, CEO von Saily.
Frankfurt
und München besonders im Blick
Wie
empfindlich große Flughäfen auf zusätzliche Bearbeitungszeiten reagieren,
zeigte sich bereits während der vergangenen Monate. In Frankfurt haben sich die
Wartezeiten an den Grenzkontrollen gegenüber dem Vorjahr deutlich erhöht. Auch
München verzeichnete zeitweise erheblich längere Abfertigungszeiten.
Vor
allem zu Stoßzeiten kann sich bereits eine zusätzliche Minute pro Passagier
bemerkbar machen, wenn innerhalb kurzer Zeit mehrere Langstreckenmaschinen
eintreffen. Noch kritischer kann die Situation für Umsteiger werden, die auf
dem Weg zu ihrem Anschlussflug eine Schengen-Außengrenze passieren müssen.
Deutschland
gehört deshalb zu einer Gruppe europäischer Staaten, die sich für eine
Verlängerung der Ausnahmeregelung ausgesprochen haben. Auch Belgien,
Frankreich, Griechenland, Italien, Malta, die Niederlande, Portugal und die
Schweiz haben Bedenken gegen ein ersatzloses Auslaufen der Regelung geäußert.
Drittstaatsangehörige
vom EES betroffen
Das
Entry/Exit System gilt insbesondere für Drittstaatsangehörige, die für einen
Kurzaufenthalt von höchstens 90 Tagen innerhalb eines Zeitraums von 180 Tagen
in den Schengen-Raum reisen. Dazu gehören beispielsweise Besucher aus
Großbritannien, den USA, Kanada und Australien.
EU-Bürger
sowie unter anderem Bürger des Europäischen Wirtschaftsraums und der Schweiz
müssen sich nicht über das EES registrieren. Auch bestimmte Inhaber von
Aufenthaltstiteln und längerfristigen Visa sind ausgenommen.
Wer
lediglich im internationalen Transitbereich eines Flughafens bleibt und dabei
keine Schengen-Außengrenze überschreitet, durchläuft ebenfalls keine
EES-Kontrolle. Muss für einen Anschlussflug dagegen die Passkontrolle passiert
werden, greifen die entsprechenden Einreiseverfahren.
Flughäfen
setzen auf Selbstbedienungsterminals
Frankfurt
und München haben ihre Infrastruktur bereits an das neue System angepasst.
Reisende mit biometrischen Pässen können an verfügbaren
Selbstbedienungsterminals einen Teil der Registrierung vornehmen, bevor die
endgültige Kontrolle durch die Grenzbehörden erfolgt.
Allein
am Flughafen München stehen dafür 119 Self-Service-Kioske an ausgewählten
Kontrollstellen zur Verfügung. Auch Frankfurt empfiehlt Reisenden ausdrücklich,
vorhandene Selbstbedienungsterminals zu nutzen, um die Abfertigung zu
beschleunigen.
„Wann
immer sich eine Grenzregelung ändert, gibt es eine gewisse Übergangsphase“,
sagt Maknickas. „Reisende sollten bei der Ankunft zusätzliche Zeit einplanen
und mit längeren Kontrollen rechnen – vor allem, wenn sie zum ersten Mal mit
dem neuen System zu tun haben.“
Für
Passagiere mit knappen Umsteigezeiten könnte dies in den kommenden Wochen
besonders wichtig werden. Wie stark sich das Ende der Ausnahmeregelung
tatsächlich auf den Flughafenbetrieb auswirkt, dürfte vor allem davon abhängen,
ob die vorhandenen Selbstbedienungssysteme und Grenzkontrollstellen das
Passagieraufkommen zu Spitzenzeiten bewältigen können.
Bildnachweis:
© KI-generierte Illustration
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