Türkischer Tourismus fordert Reformen bei Wettbewerb, Museumspreisen und Reisefreiheit - Wissen, was im Tourismus los ist!



Türkei
Türkischer Tourismus fordert Reformen bei Wettbewerb, Museumspreisen und Reisefreiheit
TÜRSAB-Vizepräsident Davut Günaydın verlangt faire Wettbewerbsbedingungen, eine engere Zusammenarbeit mit Fluggesellschaften und grüne Reisepässe für Tourismusfachleute
Türkischer Tourismus fordert Reformen bei Wettbewerb, Museumspreisen und Reisefreiheit

Der türkische Reisebüroverband TÜRSAB sieht grundlegenden Reformbedarf, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit des türkischen Tourismus langfristig zu sichern. Vizepräsident Davut Günaydın fordert insbesondere eine bessere Abstimmung zwischen staatlichen Institutionen, faire Bedingungen im digitalen Reisevertrieb und eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Fluggesellschaften und Reisebüros. Auch die Eintrittspreise für Museen und historische Sehenswürdigkeiten sowie die internationale Reisefreiheit von Tourismusfachleuten stehen im Mittelpunkt seiner Forderungen.

Günaydın kritisiert, dass die Bedeutung der Reisebüros und Reiseveranstalter für die touristische Entwicklung des Landes nicht ausreichend berücksichtigt werde. Gerade in wichtigen Urlaubsregionen wie Antalya seien diese Unternehmen unverzichtbare Partner bei der internationalen Vermarktung und der Sicherung touristischer Nachfrage. Rund 80 Prozent der Antalya-Touristen kämen über Reisebüros und Reiseveranstalter ins Land.

„Rund 80 Prozent der Touristen, die nach Antalya kommen, werden durch Reisebüros und Reiseveranstalter ins Land gebracht. Diese Unternehmen haben einen entscheidenden Anteil am internationalen Erfolg des türkischen Tourismus. Ihre Position zu stärken und sie gezielt zu unterstützen, ist daher keine freiwillige Entscheidung, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit.“

Faire Regeln für den Reisevertrieb

Ein wesentlicher Kritikpunkt Günaydıns betrifft die Wettbewerbsbedingungen zwischen türkischen Reisebüros und internationalen digitalen Buchungsplattformen. Der Verband wende sich keineswegs gegen die Digitalisierung, verlange jedoch vergleichbare rechtliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen für alle Marktteilnehmer.

„Wir sind nicht gegen die Digitalisierung. Aber es müssen dringend gesetzliche Regelungen geschaffen werden, die einen fairen und gleichberechtigten Wettbewerb zwischen internationalen digitalen Plattformen und unseren heimischen Reisebüros gewährleisten.“

Kritisch beurteilt Günaydın auch die zunehmende direkte Konkurrenz zwischen Fluggesellschaften und Reisebüros. Statt miteinander um Kunden zu konkurrieren, sollten beide Seiten ihre Zusammenarbeit ausbauen und damit die gesamte Tourismuswirtschaft stärken.

„Wenn Fluggesellschaften versuchen, mit Reisebüros zu konkurrieren, schadet das der gesamten Branche. Statt gegeneinander zu arbeiten, sollten Airlines und Reisebüros ihre Zusammenarbeit intensivieren.“

Museumspreise und staatliche Koordination

Weiteren Handlungsbedarf sieht der TÜRSAB-Vizepräsident bei der Zusammenarbeit staatlicher Institutionen. Er fordert einen wirksamen Koordinierungsmechanismus zwischen den zuständigen Ministerien, um bürokratische Hindernisse abzubauen und Entscheidungsprozesse zu beschleunigen. Gleichzeitig sollten die staatlichen Investitionsanreize für die Tourismuswirtschaft ausgeweitet werden.

Ein weiteres Anliegen betrifft die Eintrittspreise für Museen und archäologische Sehenswürdigkeiten. Günaydın spricht sich dafür aus, die zuletzt angepassten Gebühren erneut zu überprüfen. Steigende Eintrittskosten dürften die internationale Vermarktung touristischer Angebote nicht erschweren oder die Wettbewerbsfähigkeit von Rundreisen und Kulturprogrammen beeinträchtigen.

Für die türkische Reisebranche sind die Kosten für den Besuch historischer Stätten ein wichtiger Bestandteil touristischer Angebote. Nach Auffassung Günaydıns muss die Preisgestaltung deshalb auch unter dem Gesichtspunkt der internationalen Wettbewerbsfähigkeit betrachtet werden.

Grüne Reisepässe für Tourismusfachleute

Eine weitere Forderung betrifft die internationale Mobilität der Beschäftigten und Unternehmer der Tourismusbranche. Günaydın setzt sich dafür ein, Tourismusfachleuten, die regelmäßig ausländische Märkte erschließen und im Ausland für die Türkei werben, den Zugang zu sogenannten grünen Reisepässen zu ermöglichen.

Dabei handelt es sich um türkische Sonderpässe, deren Inhaber in zahlreiche Länder ohne Visum einreisen können. Eine entsprechende Regelung könnte insbesondere internationale Geschäftsreisen, Messebesuche und die Pflege geschäftlicher Kontakte erleichtern.

Günaydın verbindet seine Forderungen mit einem grundsätzlichen Appell, die bisherigen Erfolge des türkischen Tourismus nicht als selbstverständlich zu betrachten.

„Wir dürfen uns nicht mit unseren bisherigen Erfolgen zufriedengeben. Wir brauchen eine neue Roadmap und müssen unsere Ziele deutlich höher stecken.“

Dazu gehören aus seiner Sicht vor allem der Schutz und die Stärkung der Reisebüros, die Verhinderung unfairer Wettbewerbspraktiken und eine deutlich bessere Koordination zwischen staatlichen Institutionen. Die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des türkischen Tourismus hänge nicht allein von steigenden Besucherzahlen ab, sondern ebenso von strukturellen Reformen und verlässlichen Rahmenbedingungen für die gesamte Branche.

Schengen-Visa erschweren internationale Geschäftsbeziehungen

Ein weiteres gravierendes Problem für die türkische Tourismuswirtschaft ist die schwierige und häufig langwierige Vergabe von Schengen-Visa für Reisen in die Europäische Union.

Türkische Tourismusfachleute, Reiseveranstalter, Reisebüroinhaber und selbst Eigentümer großer Hotels haben teilweise erhebliche Schwierigkeiten, ein Visum zu erhalten. Allein die Suche nach einem Termin und das anschließende Antragsverfahren können sich über Monate hinziehen. In manchen Fällen werden Visumanträge sogar von wirtschaftlich etablierten Hotelunternehmern abgelehnt.

Für eine Branche, die auf internationale Kontakte, Messebesuche, Geschäftsreisen und persönliche Partnerschaften angewiesen ist, stellt dies eine erhebliche Belastung dar. Die damit verbundenen Hindernisse erschweren die Pflege bestehender Geschäftsbeziehungen ebenso wie die Erschließung neuer Märkte.

Es ist schwer nachvollziehbar, dass ausgerechnet jene Unternehmer und Tourismusfachleute, die seit Jahrzehnten einen wichtigen Beitrag zu den wirtschaftlichen und touristischen Beziehungen zwischen der Türkei und Europa leisten, bei notwendigen Geschäftsreisen mit solchen Schwierigkeiten konfrontiert werden.

Eine spürbare Erleichterung und Beschleunigung der Visaverfahren für nachweislich aktive Tourismusfachleute wäre deshalb nicht nur im Interesse der türkischen Reisebranche, sondern auch der europäischen Tourismuswirtschaft.

Bildnachweis: © ATF Antalya


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