Tourexpi
Israel möchte mit einem neuen Pilgerweg zwischen Jaffa und Jerusalem zusätzliche Impulse für den internationalen Tourismus setzen. Die 111 Kilometer lange Route „The Way to Jerusalem“ folgt historischen Verbindungen zwischen der Mittelmeerküste und der Heiligen Stadt. Ende Oktober stellte das israelische Tourismusministerium den Weg im Rahmen einer internationalen Pressereise vor. Das Angebot richtet sich sowohl an religiös motivierte Pilger als auch an Wanderreisende mit Interesse an Geschichte, Kultur und Begegnungen entlang der Strecke.
An der Reise nahmen 13 Journalisten aus neun Ländern teil, darunter Deutschland, Österreich, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Italien, China, Indien und Südkorea. Drei Teilnehmer kamen aus dem deutschsprachigen Raum. Die Gruppe erkundete nicht nur den Pilgerweg, sondern auch Unterkünfte, gastronomische Angebote und Sehenswürdigkeiten entlang der Route. Damit sollte das touristische Potenzial der Strecke einem internationalen Fach- und Reisepublikum nähergebracht werden.
Die Initiative fällt in eine Phase, in der Israel versucht, den internationalen Reiseverkehr wieder zu stärken. Nach Angaben des israelischen Statistikamtes lagen die Touristenankünfte im September 2026 rund 20 Prozent über dem entsprechenden Vorjahresmonat. Diese Entwicklung deutet auf eine Erholung gegenüber dem Vorjahr hin, erlaubt für sich genommen jedoch noch keine Aussage über eine vollständige Rückkehr zum früheren Tourismusniveau. Auch die weitere Entwicklung bleibt von der regionalen Sicherheitslage abhängig.
Historische Verbindung zwischen Küste und Heiliger Stadt
Der Ausgangspunkt des neuen Pilgerwegs liegt im Hafen von Jaffa. Über Jahrhunderte erreichten Reisende aus unterschiedlichen Regionen des Mittelmeerraums hier das Heilige Land, bevor sie ihren Weg nach Jerusalem fortsetzten. Die historische Verbindung wurde von christlichen, jüdischen und muslimischen Reisenden genutzt, die zu Fuß oder mit Last- und Reittieren ins Landesinnere zogen.
Die neue Route führt über Rishon LeZion, Ramle, Latrun, Abu Gosh und Ein Karem bis zum Jaffa-Tor der Jerusalemer Altstadt. Unterwegs begegnen Wanderer Klöstern, archäologischen Fundstätten und Abschnitten der historischen Emmaus-Straße. Die Strecke verbindet damit unterschiedliche religiöse und kulturelle Traditionen mit Landschaften und Orten abseits der klassischen Besichtigungsprogramme.
Die internationale Journalistengruppe begann ihre Wanderung am 25. Oktober 2026 in Jaffa und erreichte am 29. Oktober das Jaffa-Tor. Zuvor hatte sie bedeutende christliche Stätten in Galiläa besucht, darunter den Berg der Seligpreisungen, Kafarnaum und Korazim. Das Reiseprogramm kombinierte tägliche Wanderabschnitte von zwei bis drei Stunden mit Transfers zu weiteren Kultur- und Pilgerstätten.
Pilgerpass und organisierte Wanderangebote
Entwickelt wurde „The Way to Jerusalem“ auf Initiative von Yael Tarasiuk und Golan Rice. Das Konzept orientiert sich in mehreren Punkten am europäischen Jakobsweg. Teilnehmer können einen Pilgerpass erhalten, unterwegs Stempel sammeln und sich nach Abschluss der Route ein Zertifikat ausstellen lassen.
Neben individuellen Wanderungen werden auch organisierte Reisen angeboten. Diese können Unterkünfte, Verpflegung und Gepäcktransport umfassen. Damit richtet sich das Produkt nicht ausschließlich an erfahrene Fernwanderer, sondern auch an Reisende, die eine mehrtägige Pilgerwanderung mit touristischer Infrastruktur verbinden möchten.
Die Verbindung von historischen Wegen, religiösen Stätten und persönlichen Begegnungen steht im Mittelpunkt des Konzepts. Judith Hayms, eine der Teilnehmerinnen der Pressereise, beschreibt ihre Erfahrungen so: „Obwohl ich schon einige Male in Israel war, habe ich das Land nochmal ganz anders erleben dürfen. Die Begegnungen mit Menschen aus unterschiedlichsten Communities, die Überraschungen, die Geschichten waren jeden Schweißtropfen wert. Von Jaffa nach Jerusalem zu laufen ist ein unvergleichliches Erlebnis!“
Auch für Reiseveranstalter eröffnet die Route Möglichkeiten, klassische Israelprogramme um mehrtägige Wanderetappen zu ergänzen. Besonders die Kombination aus Jerusalem, historischen Pilgerstätten und kleineren Etappenorten könnte für kulturhistorisch interessierte Reisende eine Alternative zu überwiegend busgestützten Rundreisen darstellen.
Ob sich „The Way to Jerusalem“ dauerhaft als internationales Pilgerangebot etablieren kann, wird neben der touristischen Infrastruktur auch von den Reisebedingungen vor Ort abhängen. Für deutsche Reisebüros und Veranstalter bleibt deshalb die Prüfung der aktuellen Sicherheitslage und der offiziellen Reisehinweise ein wesentlicher Bestandteil der Beratung.
Bildnachweis: Ein Karem Morgadan © IMOT
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