Tourexpi
Elf
Tage nach dem tödlichen Angriff auf den DB-Mitarbeiter Serkan Çalar haben
Vertreter von Bund, Ländern, Arbeitnehmerorganisationen und der Verkehrsbranche
zentrale Schritte für einen gemeinsamen „Aktionsplan für mehr Sicherheit auf
der Schiene“ vereinbart. Zu dem Sicherheitsgipfel hatte die
DB-Vorstandsvorsitzende Evelyn Palla eingeladen. Hintergrund sind anhaltend
hohe Zahlen von Übergriffen: 2025 registrierte die Deutsche Bahn mehr als 3.000
körperliche Angriffe auf Mitarbeitende. Das entspricht einem Anstieg von 37
Prozent innerhalb von zehn Jahren.
DB
kündigt kurzfristige Maßnahmen an
Die
Deutsche Bahn will bereits 2026 alle Mitarbeitenden mit Kundenkontakt im Nah-
und Fernverkehr sowie in Bahnhöfen mit Bodycams ausstatten. Die Nutzung soll
freiwillig erfolgen. Zusätzlich plant das Unternehmen den Einsatz von 200
weiteren Kräften der DB Sicherheit an Bahnhöfen.
Parallel
wird die persönliche Schutzausrüstung für Mitarbeitende erweitert. Verhaltens-
und Deeskalationstrainings sollen ausgebaut werden. Der bereits vorhandene
Hilferufknopf („Prio-Ruf“) wird weiter ausgerollt und technisch
weiterentwickelt, um im Ernstfall schneller Unterstützung zu ermöglichen.
Gemeinsam
mit der Bundespolizei will die Bahn regionale Sicherheitswerkstätten
etablieren. Ziel ist es, Sicherheitskonzepte stärker an lokale Gegebenheiten
anzupassen.
Bei
DB Regio wird zudem das Prinzip „Eigensicherung vor Prüfung“ bei der
Ticketkontrolle verbindlich festgeschrieben. Ab dem 1. März 2026 liegt es im
Ermessen des Kontrollpersonals, ob Fahrgäste einen Ausweis vorzeigen müssen.
Bundespolizei
setzt Maßnahmen fort
Die
Bundespolizei kündigte an, ihre Maßnahmen zur Bekämpfung der Gewaltkriminalität
auf Bahnanlagen uneingeschränkt fortzuführen. Gemeinsam mit der DB Sicherheit
soll insbesondere die Sichtbarkeit von Einsatzkräften erhöht und eine schnelle
Intervention in Notfallsituationen gewährleistet werden. Die seit 25 Jahren
bestehende Ordnungspartnerschaft zwischen Deutscher Bahn und Bundespolizei wird
weiterentwickelt.
Gemeinsamer
Aktionsplan mit weiteren Handlungsfeldern
Der
vereinbarte Aktionsplan sieht darüber hinaus mehrere Prüf- und Handlungsfelder
vor. Dazu gehört der Ausbau der Videoüberwachung in Zügen und Bahnhöfen.
Eine
stärkere personelle Besetzung von Nahverkehrszügen soll auf der
Verkehrsministerkonferenz Ende März beraten werden. Ebenfalls auf der Agenda
steht die mögliche Ausgestaltung des Deutschlandtickets. Diskutiert wird unter
anderem der Verzicht auf eine Ausweiskontrolle, um konfliktträchtige
Situationen zu reduzieren. Parallel wollen die Bundesländer Maßnahmen zur
weiteren Fälschungssicherheit prüfen.
Ein
weiterer Schwerpunkt betrifft die verstärkte, teilweise KI-gestützte Auswertung
von Video- und Audioaufzeichnungen zur Früherkennung von Gefahrensituationen.
Hierfür sollen die rechtlichen Rahmenbedingungen angepasst werden.
Zudem
wollen die beteiligten Bundesministerien den strafrechtlichen Schutz von
Beschäftigten stärken. Angriffe auf Mitarbeitende sollen konsequenter verfolgt
und geahndet werden. Entsprechende Vorschläge sollen in laufende Verfahren zur
Anpassung des Strafgesetzbuchs eingebracht werden.
Die
vereinbarten Maßnahmen markieren nach Einschätzung der Beteiligten eine
Verschiebung des Schwerpunkts – weg von reiner Reaktion, hin zu stärkerer
Prävention und schnellerer Hilfeleistung.
Bildnachweis:
© DB AG Volker Emersleben
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