QTA Reisesommer in Mainz diskutiert die Zukunft des Reisevertriebs - Wissen, was im Tourismus los ist!



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QTA Reisesommer in Mainz diskutiert die Zukunft des Reisevertriebs
Rund 1.500 Teilnehmer und 160 Aussteller befassen sich mit demografischem Wandel, Künstlicher Intelligenz und den Herausforderungen der Reisebranche
QTA Reisesommer in Mainz diskutiert die Zukunft des Reisevertriebs

Mit rund 1.500 Teilnehmern, 160 Ausstellern und 40 Referenten hat der QTA Reisesommer 2026 in Mainz erneut an Bedeutung gewonnen. Die Besucherzahl lag mehr als zehn Prozent über dem Vorjahresniveau. In der Halle 45, dem Auktionshaus und der Turbinenhalle kamen Vertreter nahezu aller Bereiche der deutschen Reisewirtschaft zusammen. Neben Reisebüros und Kooperationen waren Veranstalter, Destinationen, Fluggesellschaften, Kreuzfahrtunternehmen, Hotels, Technologieanbieter und Verbände vertreten.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen weniger einzelne Reiseprodukte als vielmehr die strukturellen Veränderungen des Reisevertriebs. Der demografische Wandel, veränderte Kundenerwartungen und der zunehmende Einsatz Künstlicher Intelligenz werfen Fragen auf, die weit über das Tagesgeschäft hinausreichen. Gleichzeitig beschäftigen steigende Reisepreise, bürokratische Belastungen und die Entwicklung des Luftverkehrs die Branche.

Für Thomas Bösl, Sprecher der Quality Travel Alliance (QTA), liegt die besondere Bedeutung der Veranstaltung im Austausch zwischen den unterschiedlichen Marktteilnehmern. „Der Reisesommer hat sich in wenigen Jahren zum führenden Vertriebsevent in Deutschland entwickelt“, erklärte Bösl. Die Zusammenführung verschiedener Vertriebsbereiche ermögliche Gespräche über traditionelle Branchengrenzen hinweg und schaffe Voraussetzungen, um gemeinsame Antworten auf aktuelle Herausforderungen zu entwickeln.

Demografischer Wandel verändert die Reiseberatung

Wie sich die Kundenstruktur und damit die Anforderungen an Reisebüros verändern, erläuterten Wolfgang Isenberg, wissenschaftlicher Leiter der Strategieberatung PROJECT M, und Tourismusexperte Günter Ihlau. Beide sehen weiterhin erhebliche Chancen für den stationären Vertrieb, erwarten allerdings eine zunehmende Komplexität der Beratung.

Entscheidend sei künftig weniger das Lebensalter eines Kunden als dessen individuelle Lebenssituation. Unterschiedliche Lebensentwürfe, persönliche Bedürfnisse und Reiseerfahrungen erschweren eine einfache Zuordnung zu klassischen Zielgruppen. Reisebüros müssten deshalb genauer nachfragen, individuelle Wünsche erkennen und aus einer wachsenden Angebotsvielfalt passende Lösungen entwickeln.

„Reisewünsche werden immer unterschiedlicher. Was zählt, sind Orientierung, Vertrauen und persönliche Verantwortung – der demografische Wandel macht die Beratung noch anspruchsvoller“, betonten die beiden Experten.

Künstliche Intelligenz könne dabei helfen, administrative Abläufe zu vereinfachen und den Mitarbeitern mehr Zeit für persönliche Gespräche zu verschaffen. Zugleich seien die Reiseveranstalter gefordert, ihre Produkte stärker an den unterschiedlichen Bedürfnissen älterer Kunden auszurichten.

Reisepreise und Flugangebot unter Druck

In einer Diskussionsrunde mit führenden Verbandsvertretern rückten wirtschaftliche und politische Herausforderungen in den Vordergrund. Albin Loidl, Präsident des Deutschen Reiseverbands (DRV), warnte vor den Folgen steigender Urlaubskosten. Insbesondere Familien hätten zunehmend Schwierigkeiten, sich Reisen zu leisten. Seine Forderung fiel entsprechend deutlich aus: „Die Preise müssen sinken.“

Auch QTA-Sprecher Bösl verwies auf die unmittelbaren Auswirkungen der Preisentwicklung im Reisebüroalltag. Die Mitarbeiter im Vertrieb bemerkten frühzeitig, wenn Kunden ihre Reisepläne aus finanziellen Gründen einschränken müssten. Ihre Erfahrungen seien deshalb ein wichtiger Indikator für Veränderungen der Nachfrage.

Anke Budde von der Allianz selbstständiger Reiseunternehmen (asr) forderte eine Entlastung der Reisebüros von bürokratischen Aufgaben. Administrative Verpflichtungen beanspruchten zunehmend Arbeitszeit, die für Beratung und Verkauf fehle. Vereinfachte Prozesse könnten helfen, den eigentlichen Vertrieb wieder stärker in den Mittelpunkt zu rücken.

Ein weiteres Problem sprach DRV-Generalsekretär Sven Liebert an. Während das Flugangebot im europäischen Ausland wieder das Niveau vor der Corona-Pandemie erreicht habe, liege Deutschland erst bei rund 80 Prozent. „Europa fliegt an Deutschland vorbei“, erklärte Liebert mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit des Luftverkehrsstandorts.

Michael Buller, Vorstand des Verbands Internet Reisevertrieb (VIR), mahnte zugleich zu einer realistischen Einschätzung der politischen Einflussmöglichkeiten. Die Interessen der Tourismuswirtschaft würden durchaus wahrgenommen, politische Entscheidungen erforderten jedoch Kompromisse. Bösl sprach sich dafür aus, den Dachverband BTW weiter zu stärken, um der Branche insbesondere auf europäischer Ebene mehr Gewicht zu verleihen.

Nachwuchs und Politik im Dialog

Mit der Young Community erhielt auch die nächste Generation der Tourismuswirtschaft einen eigenen Platz im Veranstaltungsprogramm. Dabei ging es um veränderte Vorstellungen von Führung, Arbeitskultur, Technologie und Kommunikation. Nach Ansicht der QTA müssen junge Branchenvertreter frühzeitig in strategische Diskussionen einbezogen werden, da sie die künftige Entwicklung des Reisevertriebs wesentlich mitgestalten.

Politische Aufmerksamkeit erhielt die Veranstaltung durch den Besuch des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Gordon Schnieder. Bei der Eröffnung und einem Rundgang informierte er sich über die unterschiedlichen Bereiche des Reisevertriebs. Schnieder betonte sowohl die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus für Rheinland-Pfalz als auch dessen gesellschaftliche Funktion bei der Begegnung verschiedener Kulturen. Die Landesregierung wolle die touristische Entwicklung nachhaltig unterstützen.

Neben den Vorträgen und Podiumsdiskussionen boten die rund 160 beteiligten Unternehmen und Organisationen zahlreiche Gelegenheiten für persönliche Gespräche. Fachveranstaltungen, Masterclasses und Begegnungen an den Messeständen ergänzten das Programm. Dennis Conrads, Bereichsleiter Marketing und Einkauf, hob insbesondere die Verbindung von fachlichem Austausch und konkreten Geschäftskontakten hervor.

Damit spiegelte der QTA Reisesommer die unterschiedlichen Anforderungen wider, mit denen sich Reisebüros und ihre Partner derzeit auseinandersetzen müssen. Während technologische Entwicklungen neue Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung eröffnen, wachsen zugleich die Ansprüche an individuelle Beratung und wirtschaftlich tragfähige Reiseangebote. Die Veranstaltung machte deutlich, dass die Zukunft des Vertriebs nicht allein von technischen Lösungen, sondern ebenso von Zusammenarbeit, Anpassungsfähigkeit und persönlicher Kundenbindung abhängt.

Bildnachweis: © KI-erstellte Illustration mit Material von QTA


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