Tourexpi
Online-Bewertungen
sind für viele Verbraucher zu einer wichtigen Entscheidungshilfe geworden – bei
der Wahl eines Hotels ebenso wie beim Restaurantbesuch, beim Einkauf oder bei
der Buchung einer Dienstleistung. Ihre Glaubwürdigkeit lebt dabei gerade davon,
dass neben positiven Erfahrungen auch Kritik sichtbar bleibt.
Eine
neue bevölkerungsrepräsentative Studie von HolidayCheck zeigt jedoch, dass das
Löschen von Rezensionen keineswegs selten vorkommt. 31 Prozent der Befragten,
die innerhalb der vergangenen zwei Jahre selbst eine Online-Bewertung abgegeben
haben, erlebten in diesem Zeitraum die Löschung mindestens einer eigenen
Rezension. Bei zwölf Prozent geschah dies sogar mehrfach.
„Löschen
von kritischen Bewertungen ist kein Randphänomen mehr. Diese Erfahrungen dürfen
nicht deshalb aus dem Netz verschwinden, weil sie für ein Unternehmen unbequem
sind“, sagt Jonas Ertlmaier, Leiter Betrugsverfolgung bei HolidayCheck.
Negative
Rezensionen besonders häufig betroffen
Unter
den gelöschten Bewertungen waren kritische Stimmen überproportional vertreten.
45 Prozent waren negativ oder überwiegend negativ, weitere 31 Prozent stuften
das betreffende Produkt oder die Dienstleistung durchschnittlich ein. Lediglich
16 Prozent der gelöschten Rezensionen waren positiv oder überwiegend positiv.
Eine
besondere Rolle spielt dabei die Frage, ob der Verfasser tatsächlich Kunde oder
Gast des bewerteten Unternehmens war. Anbieter können die Echtheit einer
Rezension infrage stellen, indem sie dies bestreiten. 52 Prozent der Deutschen
haben laut Studie bereits davon gehört, dass Bewertungen auf diesem Weg zur
Löschung gebracht werden können. Unter den Befragten, die in den vergangenen
zwei Jahren selbst Rezensionen veröffentlicht haben, liegt der Anteil bei 58
Prozent.
HolidayCheck
sieht Bewertungsplattformen deshalb in der Verantwortung, echte kritische
Erfahrungen vor einer ungerechtfertigten Löschung zu schützen und zugleich
gegen manipulierte oder gefälschte Rezensionen vorzugehen.
Gelöschte
Kritik beeinträchtigt das Vertrauen
Das
Verschwinden einer eigenen Bewertung bleibt für viele Verfasser nicht
folgenlos. 31 Prozent der Betroffenen ärgerten sich über die Löschung, 27
Prozent fühlten sich ihrer Meinungsfreiheit beraubt. Jeweils 26 Prozent gaben
an, anschließend dem bewerteten Anbieter beziehungsweise der Plattform weniger
zu vertrauen.
„Wer
sich die Zeit nimmt, eine persönliche Erfahrung aufzuschreiben, möchte damit
anderen Menschen helfen. Wenn genau diese Erfahrung anschließend verschwindet,
entsteht schnell ein Gefühl von Ohnmacht“, sagt Ertlmaier. „Nutzer und
Nutzerinnen wissen häufig nicht: Warum wurde meine Bewertung gelöscht? Was muss
ich jetzt nachweisen? Und was kann ich überhaupt dagegen tun? Genau diese
Unsicherheit ist für eine funktionierende Bewertungskultur problematisch.“
Auch
die bloße Möglichkeit einer Löschung beeinflusst das Verhalten. 40 Prozent der
Befragten würden künftig ganz auf Bewertungen verzichten, wenn sie wüssten,
dass ihre Rezension auf Antrag des bewerteten Anbieters entfernt werden könnte.
13 Prozent würden Kritik positiver formulieren, fünf Prozent überhaupt keine
kritischen Bewertungen mehr veröffentlichen.
65
Prozent legen keinen Einspruch ein
Besonders
deutlich zeigt sich die Zurückhaltung nach einer bereits erfolgten Löschung. 65
Prozent der Betroffenen legten gegen keine ihrer entfernten Bewertungen
Einspruch ein. Als häufigsten Grund nannten sie den damit verbundenen Aufwand:
46 Prozent empfanden das Verfahren als zu aufwendig.
„Verbraucher
sollten nicht das Gefühl bekommen, sie müssten entweder schweigen oder ein
kompliziertes Verfahren aufmachen“, sagt Ertlmaier. „Wer negative Erfahrungen
in einer Bewertung sachlich schildert, kann gegen das Löschen dieser vorgehen.
Bewertungsplattformen tragen hier eine besondere Verantwortung: Sie müssen
sowohl die Rechte von Unternehmen als auch die Stimme ihrer Nutzenden ernst
nehmen und Verfahren so transparent und nachvollziehbar wie möglich gestalten.“
Unterschiedliche
Erfahrungen schaffen Glaubwürdigkeit
HolidayCheck
prüft nach eigenen Angaben eingehende Hotelbewertungen und verfolgt eine
Null-Toleranz-Politik gegenüber manipulierten und gefälschten Rezensionen.
Gleichzeitig betrachtet das Unternehmen kritische Erfahrungsberichte als
notwendigen Bestandteil eines glaubwürdigen Gesamtbildes.
„Glaubwürdigkeit
entsteht nicht dadurch, dass am Ende möglichst viele gute Bewertungen
übrigbleiben“, sagt Ertlmaier. „Sie entsteht durch ein realistisches Gesamtbild
aus unterschiedlichen Erfahrungen. Gerade kritische Stimmen können anderen
Reisenden helfen, Erwartungen richtig einzuordnen und fundierte Entscheidungen
zu treffen.“
Die
Bedeutung reicht dabei weit über den Tourismus hinaus. Die Befragten bewerteten
in den vergangenen zwei Jahren unter anderem Produkte, Restaurants, Hotels,
Lieferdienste, Ärzte, Reiseanbieter und Arbeitgeber. Damit betrifft die Frage,
welche Erfahrungen im Internet sichtbar bleiben, inzwischen einen großen Teil
des Konsumentenalltags.
Bildnachweis:
© KI-generierte Illustration
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