Tourexpi
Wer
im Ausland krank wird, sucht zunehmend medizinische Hilfe über den Bildschirm.
Während deutsche Reisende bislang deutlich den persönlichen Arztbesuch
bevorzugten, zeigen Behandlungsdaten aus dem internationalen
Air-Doctor-Netzwerk für 2026 eine Verschiebung hin zur Videosprechstunde.
In
der Reisesaison 2025 entfielen lediglich gut sieben Prozent der erfassten
Behandlungen auf Videosprechstunden. Von Anfang Januar bis Mitte Juli 2026
waren es bereits rund 24 Prozent. Damit hat sich ihr Anteil innerhalb eines
Jahres mehr als verdreifacht. Gleichzeitig sank der Anteil der Praxis- und
Klinikbesuche von rund 65 auf 53 Prozent. Hausbesuche im Hotel oder in der
Unterkunft gingen von etwa 28 auf 23 Prozent zurück.
Die
Entwicklung fällt in eine Zeit hoher Auslandsreiseintensität. Rund 78 Prozent
der längeren Urlaubsreisen der Deutschen führten 2025 ins Ausland. Der
Mittelmeerraum blieb mit Spanien, der Türkei und Italien an der Spitze das
wichtigste Reiseziel. Gleichzeitig gewinnt die Ferne an Bedeutung: Jede sechste
Reise führt inzwischen aus Europa hinaus.
Vom
Hotelzimmer direkt zum Arzt
Krankheit
im Urlaub bedeutet häufig zunächst Orientierung in einem unbekannten
Gesundheitssystem. Schon bei typischen Beschwerden wie Magen-Darm-Problemen,
Hautausschlägen oder Grippesymptomen stellt sich die Frage, wo medizinische
Hilfe zu finden ist und ob eine Verständigung mit dem Arzt möglich sein wird.
Eine
im Juni 2026 von YouGov für Air Doctor durchgeführte repräsentative Befragung
von 2.182 Erwachsenen in Deutschland zeigt, wie Reisende in einer solchen
Situation reagieren würden. 52 Prozent würden zunächst im Hotel oder in ihrer
Unterkunft nach Hilfe fragen. 23 Prozent würden direkt das nächstgelegene
Krankenhaus aufsuchen – auch bei Beschwerden, für die eine Notfallversorgung
möglicherweise gar nicht erforderlich ist.
Eine
Videosprechstunde kann diesen Weg abkürzen. Der Termin lässt sich aus dem
Hotelzimmer, der Ferienwohnung oder vom Campingplatz wahrnehmen. Ist es
medizinisch vertretbar, kann anschließend ein vor Ort gültiges Rezept
ausgestellt werden. Beratungen sind zudem in verschiedenen Sprachen möglich.
Abhängig von der jeweiligen Versicherung kann auch die sonst häufig
erforderliche Vorkasse entfallen.
Sprache
und Kosten beschäftigen Reisende
Die
Befragung zeigt zugleich, welche Hürden deutsche Urlauber bei einer
medizinischen Behandlung im Ausland erwarten. 34 Prozent wünschen sich einen
deutschsprachigen Arzt, 26 Prozent sorgen sich wegen möglicher Sprachbarrieren
und 23 Prozent wegen einer erforderlichen Vorauszahlung der Behandlungskosten.
Gerade
bei diesen praktischen Problemen können digitale Angebote Vorteile bieten. Sie
ersetzen jedoch nicht grundsätzlich den Arztbesuch vor Ort. Entscheidend ist
die Art der Erkrankung oder Verletzung.
Nicht
jede Erkrankung erfordert einen Praxisbesuch
Erkältungen
und grippale Infekte, Magen-Darm-Beschwerden, allergische Reaktionen,
Hautausschläge sowie leichtere Verletzungen wie kleine Schnitte oder
Sonnenbrand können häufig per Video beurteilt werden. Auch bei einem benötigten
Folgerezept für ein regelmäßig eingenommenes Medikament kann eine digitale
Konsultation infrage kommen.
Sind
dagegen körperliche Untersuchungen durch Abtasten oder Abhören, Laboranalysen
oder bildgebende Verfahren erforderlich, bleibt die Behandlung in einer Praxis
oder Klinik notwendig.
„Deutsche
Reisende haben traditionell auf persönliche Arzttermine vertraut, und bei
vielen Beschwerden bleibt das auch die richtige Wahl. Aber nicht jedes
gesundheitliche Problem erfordert den Weg in eine Praxis oder Klinik,
geschweige denn ins Krankenhaus“, sagt Jenny Cohen Derfler, CEO und
Mitgründerin von Air Doctor.
Medizinische
Versorgung wird Teil der Reiseplanung
Nach
Einschätzung von Cohen Derfler beschäftigen sich Reisende intensiv mit Flügen,
Hotels und Aktivitäten, planen jedoch wesentlich seltener für den Fall einer
Erkrankung im Ausland. Erst wenn tatsächlich medizinische Hilfe benötigt werde,
stellten sich Fragen nach einem vertrauenswürdigen Arzt, einer schnellen
Terminvergabe und der Verständigung.
Air
Doctor ermöglicht nach Angaben des Unternehmens die Buchung geprüfter Ärzte
unterschiedlicher Fachrichtungen für Praxis- und Hausbesuche sowie
Videosprechstunden. Je nach Fall können lokale Rezepte ausgestellt und abhängig
von der Versicherung direkte Abrechnungsmodelle genutzt werden.
Den
starken Zuwachs der Videosprechstunden wertet Cohen Derfler als Hinweis auf
eine Veränderung im Verhalten der Reisenden: „Immer mehr Reisende erkennen,
wann eine Behandlung aus der Ferne geeignet ist und wann weiterhin eine
persönliche Untersuchung erforderlich ist.“
Bildnachweis:
© KI-generierte Illustration
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