Chile präsentiert sich 2027 in Frankfurt unter dem Motto ‘Astros de Tierra’ - Wissen, was im Tourismus los ist!



International
Chile präsentiert sich 2027 in Frankfurt unter dem Motto ‘Astros de Tierra’
Als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse will Chile seine internationale kulturelle Präsenz stärken und zugleich neue Impulse für Literatur, Tourismus und wirtschaftliche Zusammenarbeit setzen
Chile präsentiert sich 2027 in Frankfurt unter dem Motto ‘Astros de Tierra’

Chile hat das Motto und das visuelle Konzept für seinen Auftritt als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2027 vorgestellt. Unter dem Titel „Astros de Tierra“ – „Sterne der Erde“ – will das südamerikanische Land seine literarische und kulturelle Vielfalt einem internationalen Publikum näherbringen. Die Präsentation am 8. Oktober 2026 in Frankfurt markiert einen weiteren Schritt auf dem Weg zum Gastlandauftritt im kommenden Jahr.

Das Leitmotiv verbindet die kulturelle Identität Chiles mit seiner außergewöhnlichen geografischen Lage und seiner langen Tradition astronomischer Beobachtungen. Von den indigenen Weltbildern über die Poesie bis zu den modernen Observatorien in der Atacama-Wüste zieht sich die Beschäftigung mit dem Himmel durch die Geschichte des Landes. Die unterschiedlichen Perspektiven sollen in Frankfurt zu einem Gesamtbild zusammengeführt werden, das Literatur, Wissenschaft und Kunst miteinander verbindet.

Neben dem kulturellen Programm verfolgt Chile konkrete wirtschaftliche und internationale Ziele. Die Teilnahme soll Übersetzungen chilenischer Literatur fördern, neue Absatzmärkte für Verlage erschließen und die internationale Wahrnehmung des Landes stärken. Dabei reicht die Bedeutung des Gastlandauftritts über den Buchmarkt hinaus: Chile möchte die Aufmerksamkeit der Frankfurter Buchmesse auch nutzen, um sich als Reiseziel, Handelspartner und Standort für kulturellen Austausch zu präsentieren.

Literatur als internationale Visitenkarte

Chiles literarische Tradition ist eng mit international bekannten Autoren wie Gabriela Mistral, Pablo Neruda und Isabel Allende verbunden. Gleichzeitig verfügt das Land über eine vielfältige zeitgenössische Literaturszene mit zahlreichen unabhängigen Verlagen. Autoren wie Alejandro Zambra, Nona Fernández und Daniela Catrileo stehen für neue literarische Perspektiven, die zunehmend auch außerhalb Lateinamerikas Beachtung finden.

Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, verweist auf die Verbindung zwischen dem literarischen Erbe und der heutigen Verlagsszene. Besonders die Vielfalt unabhängiger Verlage und die lebendige Illustrationskultur böten Möglichkeiten für den internationalen Austausch.

Die wirtschaftlichen Ausgangsbedingungen verdeutlichen allerdings auch die Herausforderungen. Im Jahr 2024 importierte Chile Bücher im Wert von 69,5 Millionen US-Dollar, während die Exporte lediglich rund zwei Millionen US-Dollar erreichten. Die Gastlandpräsenz soll dazu beitragen, dieses Ungleichgewicht langfristig zu verringern und die internationale Vermarktung chilenischer Literatur zu verbessern.

Ein Schwerpunkt liegt deshalb auf Übersetzungen und dem Verkauf internationaler Verlagsrechte. Seit 2024 wurden im Rahmen des Programms „Translating Chile“ insgesamt 109 Übersetzungen chilenischer Werke unterstützt. Bis Oktober 2027 soll diese Zahl auf mindestens 160 steigen. Allein 2026 wurden 51 Übersetzungsprojekte finanziert.

Zusätzlich wurde eine Auswahl von 27 chilenischen Büchern zusammengestellt, die speziell für den deutschsprachigen Verlagsmarkt interessant sein könnten. Diese Titelliste soll mehr als 250 internationalen Branchenvertretern vorgestellt werden und neue Kontakte zwischen Autoren, Verlagen und Literaturagenten ermöglichen.

Von der Atacama bis Patagonien

Das Motto „Astros de Tierra“ eröffnet zugleich Möglichkeiten, Chile über seine Literatur hinaus als Reiseziel zu präsentieren. Die landschaftlichen Gegensätze zwischen der Atacama-Wüste im Norden, den Seen- und Vulkanregionen im Süden sowie Patagonien und der Antarktis prägen das internationale Bild des Landes.

Besonders die Atacama-Wüste besitzt durch ihre außergewöhnlich klaren Nachthimmel eine enge Verbindung zum astronomischen Leitmotiv. Die Region gehört zu den weltweit bedeutenden Standorten astronomischer Forschung und ist zugleich ein Ziel für Reisende, die Naturerlebnisse mit der Beobachtung des Sternenhimmels verbinden möchten.

Der chilenische Botschafter in Deutschland, Jorge Sandrock, unterstreicht diese übergreifende Bedeutung des Gastlandauftritts. Die Frankfurter Buchmesse biete nicht nur einen Rahmen zur Präsentation der Literatur, sondern auch die Gelegenheit, Chile „in seinen vielfältigen Facetten als Reiseziel, Handelspartner und strategischen Verbündeten zu zeigen“.

Damit wird die kulturelle Präsenz in Frankfurt auch zu einem Instrument der internationalen Landeskommunikation. Neben dem Literaturbetrieb können insbesondere der Kulturtourismus und die touristische Vermarktung der unterschiedlichen Regionen von der zusätzlichen Aufmerksamkeit profitieren.

Chile bereitet den Gastlandauftritt vor

Bereits auf der Frankfurter Buchmesse 2026 ist Chile mit einer umfangreichen Delegation vertreten. Insgesamt reisen 13 Autoren und 36 Verleger nach Deutschland. Mehr als 20 Veranstaltungen auf der LatAm Stage in Halle 3.1 sowie zusätzliche Fachgespräche und Lesungen sollen die Kontakte zur internationalen Buchbranche vertiefen.

Am 11. Oktober 2026 übernimmt Chile im Rahmen einer offiziellen Zeremonie von Tschechien den sogenannten „GuestScroll“, das symbolische Dokument zur Übergabe der Ehrengastrolle. Begleitet wird dieser Schritt von einem Auszug aus „Pasión de leer“ der chilenischen Schriftstellerin Gabriela Mistral, die 1945 als erste lateinamerikanische Autorin den Literaturnobelpreis erhielt.

Die Vorbereitungen für 2027 werden vom chilenischen Ministerium für Kultur, Kunst und Kulturerbe gemeinsam mit dem Außenministerium, der Exportförderungsorganisation ProChile und Imagen de Chile koordiniert.

Nicolás Leyton, Geschäftsführer des Projekts „Chile als Ehrengastland auf der Frankfurter Buchmesse 2027“, betont, dass die Vorbereitungen weit über die eigentliche Messewoche hinausreichen. Der internationale Auftritt sei das Ergebnis eines mehrjährigen Prozesses, der bereits jetzt durch Übersetzungsförderung, Fachkontakte und kulturelle Veranstaltungen begleitet werde.

Für Chile bietet die Frankfurter Buchmesse damit eine Plattform, auf der sich Literatur, kulturelle Identität und internationale Standortwerbung miteinander verbinden. Im Mittelpunkt steht ein Land, dessen Geschichten ebenso von seinen Menschen wie von seiner außergewöhnlichen Landschaft und dem Blick in den Himmel geprägt sind.

Bildnachweis: © KI-erstellte Illustration mit Material von Global Communication Experts GmbH


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