TVG stellt beim Jubiläum die Weichen für die Zukunft des Reisebürovertriebs - Wissen, was im Tourismus los ist!



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TVG stellt beim Jubiläum die Weichen für die Zukunft des Reisebürovertriebs
Rund 200 Teilnehmer diskutierten in München über KI, Kundenbindung und neue Vertriebsstrategien – nach 20 Jahren übergibt Geschäftsführerin Birgit Aust die Verantwortung
TVG stellt beim Jubiläum die Weichen für die Zukunft des Reisebürovertriebs

Die Touristik Vertriebsgesellschaft (TVG) hat ihr 30-jähriges Bestehen mit einer strategischen Standortbestimmung für den Reisebürovertrieb verbunden. Vom 23. bis 25. Oktober 2026 kamen rund 200 Vertreter von Reisebüros, Veranstaltern und touristischen Unternehmen in München zusammen. Im Mittelpunkt standen die Chancen durch Künstliche Intelligenz, veränderte Kundenbedürfnisse und die Frage, wie stationäre Reisebüros ihre Position gegenüber großen Onlineplattformen stärken können.

Die Jubiläumstagung markierte zugleich einen Führungswechsel. Birgit Aust, die die TVG zwei Jahrzehnte als Geschäftsführerin geprägt hat, scheidet zum 31. Oktober aus der operativen Verantwortung aus. Hauke Moll bleibt Geschäftsführer, während Dirk Faßbender und Conny Koch in die Geschäftsleitung aufrücken. Das neue Führungsteam übernimmt ein Unternehmen, das seine Franchisepartner an rund 200 Standorten durch eine engere Verbindung von persönlicher Beratung, digitalen Vertriebswegen und exklusiven Reiseangeboten unterstützen will.

Trotz eines weiterhin schwierigen Marktumfelds blickt die TVG vorsichtig optimistisch auf das kommende Geschäftsjahr. Hauke Moll rechnet mit einem Wachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich, verweist allerdings auf geopolitische Unsicherheiten und verändertes Buchungsverhalten. Die Tagung machte deutlich, dass die künftige Wettbewerbsfähigkeit der Reisebüros nicht allein von technologischen Investitionen abhängen wird. Ebenso wichtig sind die aktive Kundenansprache, die individuelle Beratung und eine stärkere Profilierung des eigenen Angebots.

KI soll mehr Zeit für Beratung schaffen

QTA-Sprecher Thomas Bösl stellte die strategische Entwicklung des Reisebürovertriebs unter die Leitbegriffe Optimierung, Spezialisierung und Individualisierung. Künstliche Intelligenz könne insbesondere administrative Tätigkeiten vereinfachen und den Mitarbeitern dadurch mehr Zeit für die Kundenberatung verschaffen.

Den entscheidenden Wettbewerbsvorteil stationärer Reisebüros sieht Bösl jedoch im persönlichen Kundenwissen. „Sie hüten einen Schatz: Sie kennen Ihre Kunden, ihre Wünsche und ihre Reisegewohnheiten. Dieses Wissen müssen wir viel gezielter nutzen – und aus dem Reiseverkäufer einen Freizeitberater machen, der seine Kunden das ganze Jahr über begleitet.“

Auch DERTOUR-Vertriebschef Georg Welbers betonte die wachsende Bedeutung digitaler Sichtbarkeit. Reisebüros müssten ihre Kompetenz dort präsentieren, wo Kunden nach Informationen suchen. KI-Anwendungen könnten dabei helfen, unterschiedliche Kommunikationskanäle effizient zu bedienen. Gleichzeitig komme es darauf an, nach Beratungsgesprächen aktiv nachzufassen, statt ausschließlich auf eine Rückmeldung der Kunden zu warten.

Cornelius Meyer, neuer Deputy Managing Director Sales & Marketing bei Coral Travel, sieht in der zunehmenden Digitalisierung zugleich eine Chance für die persönliche Beratung. Je stärker KI den Alltag präge, desto wichtiger könne für viele Verbraucher der unmittelbare Kontakt zu einem kompetenten Ansprechpartner werden.

Exklusive Produkte und neue Kundenkontakte

Neben technologischen Veränderungen beschäftigte sich die Tagung mit der Frage, wie Reisebüros ihre Angebote stärker von denen großer Buchungsplattformen unterscheiden können. Eine wichtige Rolle spielen dabei exklusive Reiseprodukte, individuell kombinierbare Leistungen und eine gezieltere Ansprache unterschiedlicher Kundengruppen.

Veranstalterpartner kündigten für 2027 weitere Entwicklungen an. Select Holidays plant neue Produktkombinationen, während Atouro die dynamische Paketierung als wichtiges Zukunftsthema bezeichnete. Für die TVG steht dabei im Vordergrund, dass die technische Komplexität hinter einem möglichst einfachen und verlässlichen Buchungserlebnis zurücktritt.

Auch die Vermarktung von Pauschalreisen an jüngere Zielgruppen wurde diskutiert. TUI-Marketingchef Christian Bärwind verwies darauf, dass viele junge Verbraucher die Leistungen und Vorteile einer Pauschalreise nicht ausreichend kennen. Social-Media-Creator könnten zwar Reiseinteresse wecken, die persönliche Beratung bleibe jedoch ein wichtiger Bestandteil des Verkaufsprozesses.

Zusätzliche Impulse für die Kundengewinnung erwartet die TVG durch die Verbindung von sonnenklar.TV, exklusiven Reiseangeboten und dem Bonusprogramm PAYBACK. Für den 7. Dezember ist eine größere Vertriebsaktion angekündigt, bei der Kunden bei Buchungen über den Sender und angeschlossene Reisebüros bis zu zehnfache PAYBACK-Punkte sammeln können.

Führungswechsel nach zwei Jahrzehnten

Ein besonderer Moment der Jubiläumsveranstaltung war die Verabschiedung von Birgit Aust. Unter ihrer Führung hatte die TVG bereits vor 17 Jahren gemeinsam mit der Universität St. Gallen das Konzept eines Reisebüros der Zukunft entwickelt. Digitale Elemente, eine modernisierte Ladengestaltung und zeitweise auch ein mobiles Reisebüro gehörten zu den damaligen Ansätzen, den stationären Vertrieb weiterzuentwickeln.

Aust sieht die Bereitschaft zur Veränderung weiterhin als wesentliche Stärke des Unternehmens. „Vor 17 Jahren hatten wir den Mut, das Reisebüro neu zu denken. Heute stehen wir erneut vor grundlegenden Veränderungen. Entscheidend ist, dass wir nicht darauf warten, was passiert, sondern unsere Zukunft selbst gestalten.“

Das neue Führungsteam will diesen Ansatz fortsetzen. Während Hauke Moll die Geschäftsführung weiterführt, sollen Dirk Faßbender und Conny Koch die operative Entwicklung und die Zusammenarbeit mit den Franchisepartnern stärken. Zu den strategischen Schwerpunkten gehören Exklusivität, Spezialisierung und der Einsatz neuer Technologien.

Faßbender verwies dabei auf das Potenzial von Kunden, die digitale und persönliche Buchungswege miteinander verbinden. Nach den auf der Tagung genannten Zahlen buchen 13 Prozent der Kunden im Reisebüro und 48 Prozent online. Weitere 39 Prozent bewegen sich zwischen beiden Vertriebsformen. Gerade diese Gruppe, die online recherchiert und zugleich persönliche Beratung schätzt, betrachtet die TVG als wichtige Zielgruppe für weiteres Wachstum.

Praxisworkshops zu KI-Anwendungen, digitaler Sichtbarkeit, regionaler Neukundengewinnung und IT-Sicherheit ergänzten die Tagung. Damit verband die TVG ihre strategischen Diskussionen mit konkreten Ansätzen für den Reisebüroalltag. Die kommenden Jahre sollen zeigen, wie erfolgreich sich persönliche Beratung, technologische Unterstützung und exklusive Produkte zu einem wettbewerbsfähigen Vertriebsmodell verbinden lassen.

Bildnachweis: © TVG/Staudinger


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