Tourexpi
Der
Deutsche Reiseverband (DRV) fordert Änderungen an den geplanten europäischen
Fahrgastrechten für Reisen, bei denen mehrere Verkehrsmittel miteinander
kombiniert werden. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob Reisevermittler ihre
Service- und Vermittlungsgebühren zurückzahlen müssen, wenn ein gebuchtes
Ticket aufgrund einer Störung erstattet wird. Der DRV lehnt eine solche
pauschale Verpflichtung ab und unterstützt damit die Position des europäischen
Reisebüro- und Veranstalterverbands ECTAA.
Der
Verband hat sich dazu an das Bundesministerium für Verkehr sowie das
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gewandt. Aus Sicht des DRV müssen
die weiteren Verhandlungen über die sogenannte Multimodal-Verordnung einen
Ausgleich zwischen Verbraucherschutz und den wirtschaftlichen Interessen des
Vertriebs schaffen. Reisende sollten vor der Buchung eindeutig erkennen können,
welche Gebühren anfallen und unter welchen Bedingungen diese im Erstattungsfall
zurückgezahlt werden.
DRV-Präsident
Albin Loidl sieht nun Rat und Europäisches Parlament in der Verantwortung.
„Transparenz und Verbraucherschutz lassen sich mit fairen Rahmenbedingungen für
Reisevermittler verbinden. Eine pauschale Rückzahlungspflicht für bereits
erbrachte Leistungen sind dagegen der falsche Weg“, erklärt Loidl. Entscheidend
sei eine Regelung, die verständliche Informationen für Kunden gewährleistet,
ohne Vermittler mit zusätzlichen finanziellen und administrativen Risiken zu
belasten.
Streitpunkt
Vermittlungsgebühr
Der
DRV argumentiert, dass die eigentliche Vermittlungsleistung zum Zeitpunkt einer
späteren Verkehrsstörung bereits erbracht ist. Reisebüros beraten ihre Kunden,
vergleichen Angebote, planen Verbindungen und führen die Buchung durch. Fällt
anschließend beispielsweise eine Bahn-, Flug- oder andere Verkehrsverbindung
aus, ändert dies nach Auffassung des Verbands nichts am Wert dieser zuvor
erbrachten Dienstleistung.
Zudem
liege die Ursache einer solchen Störung in der Regel beim jeweiligen
Verkehrsunternehmen und nicht beim Vermittler. Eine Verpflichtung zur
Rückzahlung der Servicegebühr würde damit einen Teil der wirtschaftlichen
Folgen auf Unternehmen verlagern, die weder für den Ausfall verantwortlich sind
noch Einfluss darauf nehmen können.
„Transparenz
gegenüber Reisenden ist richtig und wichtig – ebenso wie der Verbraucherschutz.
Aber eine bereits vollständig erbrachte Vermittlungsleistung wird definitiv
nicht wertlos, nur weil eine Beförderung ausfällt“, betont Loidl.
Reisevermittler dürften nicht finanziell für Störungen einstehen müssen, die
sie weder verursacht hätten noch beeinflussen könnten.
Kleine
Reiseunternehmen besonders betroffen
Besondere
Risiken sieht der DRV für kleine und mittlere Unternehmen. Bei größeren
Verkehrsstörungen könnte eine Rückzahlungspflicht dazu führen, dass zahlreiche
Vermittlungsgebühren gleichzeitig erstattet werden müssten. Damit würden nicht
nur zusätzliche administrative Arbeiten entstehen, sondern auch Einnahmen
nachträglich entfallen, obwohl die zugrunde liegenden Leistungen bereits
erbracht wurden.
Eine
mögliche Ausnahme allein für Kleinstunternehmen hält der Verband deshalb nicht
für ausreichend. Auch viele kleine und mittelständische Reiseunternehmen
verfügten nur über begrenzte personelle und finanzielle Ressourcen und könnten
bei einer größeren Zahl gleichzeitiger Erstattungen erheblich belastet werden.
Der
DRV setzt stattdessen auf Transparenz bereits beim Verkauf. Kunden sollen vor
Abschluss der Buchung klar erkennen können, welche Kosten auf die eigentliche
Beförderungsleistung und welche auf die Dienstleistung des Vermittlers
entfallen. Ebenso soll nachvollziehbar sein, unter welchen Voraussetzungen eine
gesonderte Servicegebühr im Fall einer Ticketerstattung zurückgezahlt wird.
Damit ließen sich nach Auffassung des Verbands die Informations- und
Schutzinteressen der Reisenden wahren, ohne bereits geleistete
Vermittlungsarbeit grundsätzlich in die Erstattung einzubeziehen.
Bildnachweis:
© Mit KI erstellte Illustration
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